Donnerstag, 24. Oktober 2013

Schuhe machen | Making Shoes (Book)


Ein Buch wie dieses war lange überfällig! Hier hatte ich es bereits angekündigt und jetzt ist es endlich erschienen.

Josephine Barbe und Franz Kälin zeigen, wie man sich zu Hause mit überschaubarem Werkzeug selber Schuhe machen kann. Die Schnittmuster zu den verschiedenen vorgestellten Schuhmodellen (es sind 12) sind alle in Größe 37 im Buch. Alle anderen Größen lassen sich leicht mit einem Fotokopierer mit Vergrößerungsfunktion erstellen. Die genauen Prozente sind natürlich angegeben.

Sehr hilfreich finde ich, dass sich die Autoren Gedanken gemacht haben, welche praktikablen Alternativen sich zu den Maschinen und Werkzeug im heimischen Werkzeugkasten finden lassen.
Zum Beispiel lassen sich einfach regelmäßige Lochabstände auf dem Leder markieren, indem man die normale Nähmaschine einsetzt. Ohne Garn.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt. Die historische Entwicklung von Schuhen, einen Einblick, wie der Maßschuhmacher arbeitet und die Arbeitsanleitungen zu den Projekten. Mich interessieren vorallem die Projekte, da gerade sie dieses Buch so einzigartig machen.
Der erfahrene Schuhmacher und Sozialpädagoge Franz Kälin hat über Jahre eine Technik entwickelt, mit der man sich mit möglichst einfachen Mitteln und in kurzer Zeit Schuhe machen kann. Während die Fertigung eines klassischen Schuhs etwa sechs Tage braucht, kann man diesen leichten Schuh an einem Tag fertigen.


Kleiner Wermutstropfen für High Heel Liebhaberinnen: Die einfachen Schuhen haben alle nur einen flachen Absatz. Hohe Absätze machen aufwändigere Arbeiten nötig.

Ich hatte vor, mir dieses Buch mit den Augen eines Menschen anzusehen, der sich bislang noch nicht mit der Schuhmacherei beschäftigt hat. Ich muss zugeben, dass mir das nicht gelungen ist. Mein Kursbesuch im Mai bei Franz Kälin hatte doch schon deutliche Spuren hinterlassen ;-)
So weiß ich nicht, ob dem geneigten Leser klar ist, dass Schuhe normalerweise auf einem Leisten, also einem Fußmodell, gefertigt werden. Die hier vorgestellte Technik kommt ohne solche Leisten aus.

Etwas Näherfahrung ist sicher von Vorteil. Die Projekte haben einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad, den man an den Schuhsymbolen neben den Titeln schnell erkennen kann.

Die Anleitungen werden durch Videos ergänzt. Dazu scannt man den abgedruckten QR-Code oder man nimmt den Weg über die Webseite des Haupt Verlags. Vorne im Buch  sind die Links auch nochmals angegeben. Hier ist allerdings ein kleiner Fehler unterlaufen. Nach dem ".com" muss kein Punkt kommen sondern ein "/".


Die Bezugsquellenangaben hätten für meinen Geschmack etwas umfangreicher ausfallen können.
Bei den Projekten wären für den Laien noch genauere Angaben hilfreich, welches Leder sich eignet. Also zum Beispiel dass Bekleidungsleder mit 0,6mm eher etwas zu dünn ist, 1mm Stärke sich aber ganz gut eignet. Es kann auch dicker sein, nur dann gerät die Haushaltsnähmaschine schnell an ihre Grenzen.
Den im Buch erwähnten Sattlerzwirn findet man in Webshops unter dem Begriff "Forellengarn".
Eine Drehspindel habe ich beim großen Onlineversteigerer für weniger als 30 Euro gefunden. Damit lässt sich Leder sehr kraftsparend, präzise und leise lochen. Der Schuhmacherkleber ("Kontaktkleber") wird dort auch angeboten. Unbedingt die Anleitung zum Kleber befolgen, denn nur so hält er was er verspricht.

Fazit:
Endlich ein Buch, das zeigt wie man Schuhe machen kann, denen man nicht unbedingt auf den ersten Blick ansieht, dass sie selbstgemacht sind! Das Niveau ist anspruchsvoll. Näherfahrung ist keine Grundvoraussetzung aber sehr von Vorteil. Die enthaltenen Schnitte und die bebilderten Schritt-für-Schritt Anleitungen erleichtern den Einstieg in ein ungewöhnliches Hobby. Sehr zu empfehlen!

Schuhwerk von Josephine Barbe und Franz Kälin
erschienen im Haupt Verlag
256 Seiten, 39,90€

Weitere Informationen und Blick ins Buch gibt es auf der Verlagsseite hier (klick).

Kommentare:

  1. Danke für die gute Beschreibung des Buches. Ich habe deine selbstgemachtem Schuhe schon bewundert und deinen Schuhkurs neidisch verfolgt. Das Buch ist definitiv was für mich und Weihnachten naht, da kann es vielleicht unterm Baum liegen. Lg Verena

    AntwortenLöschen
  2. Danke für die Vorstellung des Buches. Ich hab es schon entdeckt, aber noch keine Gelegenheit es mir bei meinen Buchhändler zu bestellen. Freu mich aber schon sehr darauf und möchte gerne mal Schuhe ausprobieren.

    AntwortenLöschen
  3. Ich gehe davon aus, dass die roten Ballerinas Deine selbstgemachten Schuhe sind?! Herrlich! Ich liebe ja flache Ballerinas in allen Farben. Auch wenn mich dieses Projekt reizen würde, würde ich wahrscheinlich hier an meine Grenzen stoßen. Aber danke für Deine kritische Beschreibung des Buches.

    Herzliche Grüße
    Ute

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, die roten Ballerinas habe ich selbergemacht.
      Die Grenzen befinden sich vor allem im Denken. Es ist ungewohnt aber eigentlich nicht komplizierter als so manche Näharbeit.

      Herzliche Grüße
      Anja

      Löschen
  4. Ich entwerfe und nähe ja bisher "nur" Hausschuhe, und bin schon dabei auch straßentaugliche auszutüfteln. Danke für den tollen Buchtip :-)
    Dieses Buch wird definitiv als einziger Weihnachtswunsch auf dem Zettel stehen - und dann kann ich meine Ideen wohl endlich umsetzen :-)

    liebe Grüße, Johanna

    AntwortenLöschen
  5. Hi, ich beschäftige mich zur Zeit ahch intensiv mit dem Thema und mir stellt sich eine große Frage: wo bekomme ich die Schuhsohlen her? Also relativ günstig und nicht in tausend-Stück-Mengen? Ich suche sllerdings gummisohlen;, wie die von chucks nur ohne die gummiksppe vorne drsn und werde einfach nicht fündig. .. vielleicht kannst du mir helfen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schau mal bei extremtextil.de unter Zubehör. Dort gibt es verschiedene Schuhsohlenplatten.

      Löschen
  6. Hallo Anja,
    nachdem Google mich zu Deinem Blog geführt hat, habe ich mir auch das tolle Buch von Herrn Kälin gekauft. Nun würde ich gerne loslegen, doch über Bezugsquellen schreibt er ja leider recht wenig. Wo kaufst Du denn Dein Material, und was für Leder würdest Du für die Balerina nehmen? Die einzige Bezugsquelle, die ich gefunden habe will mir immer gleich 2 m2 verkaufen. Ah, wie viel Leder braucht man eigentlich für ein paar Schuhe? Würde mich freuen, wenn Du mir von Deinen Erfahrungen berichten könntest.
    LG Cordula

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Cordula,
      Sohlen- und Brandsohlenmaterial kaufe ich bei AGP hier in Berlin. Sohlenplatten gibt es aber auch z.B. bei extremtextil.de unter "Zubehör". Das Handnähgarn findest Du unter dem Stichwort "Forellenfaden". Er muss einiges aushalten, daher würde ich nicht auf ein Garn natürlichen Ursprungs ausweichen. Den speziellen Schuhmacher-Klebstoff gibt es beim großen Onlineversteigerer (wie auch den Forellenfaden). Das Leder ebenso. Es sollte ca. 1mm dick sein und kein Schaf oder Lamm, da das nicht fest genug ist.
      Lederzuschnitte in Din-Formaten gibt es z.B. bei www.manu-faktur.eu
      Zur Menge/Größe: Leg die Schnitte der Ballerinas auf ein Blatt Papier und schau, ob ein Din A4-Blatt für einen Schuh ausreicht.

      Ich wünsche Dir viel Erfolg!

      Liebe Grüße
      Anja

      Löschen
    2. Hallo Anja,
      Du bist ein Schatz. Das mit Manu-Faktur war der Tip, den ich brauchte. Seltsam daß ich die nicht gegoogelt habe. Vielen Dank.
      Machst Du noch Schuhe oder hast Du wieder aufgehört? Ich bin ja sehr gespannt. So schada, daß die Kurse immer ein Jahr im Voraus ausgebucht sind.
      LG Cordula

      Löschen
    3. Hallo Cordula,
      ein Paar Sommerschuhe steht ganz dringend auf meiner To do Liste, aber da steht auch noch so viel anderes zu dem ich im Moment nicht komme. Ich horte stattdessen meine Materialschätze ;-) Zufällig heute habe ich meine schon lange bestellten Maßleisten bekommen.
      Die werden leider noch ein wenig warten müssen, denn ich hab gerade ziemlich viel Arbeit.

      Ja, bei den Kursen braucht man viel Geduld bis man einen Platz bekommt. Das Warten hat sich aber sehr gelohnt.

      Liebe Grüße
      Anja

      Löschen
    4. hm, interessant! wo bekommt man denn maßleisten her? vom schuster?
      grüße

      Löschen
    5. Von einem Maßschuhmacher. Ich hatte sie beim Kursleiter (und Buchautor) bestellt. Er hatte auch meine Füße vermessen und sie sich von allen Seiten angesehen.

      Liebe Grüße
      Anja

      Löschen

Ich freue mich über jeden Kommentar!
Er wird erst sichtbar, wenn ich ihn freigeschaltet habe.

Related Posts with Thumbnails