Dienstag, 27. März 2007

Sandmann

Für Geld zeichne ich (fast) alles. Aber dann und wann stoße ich an meine Grenzen.
Heute zum Beispiel. Eine Lektorin rief mich an und fragte, ob ich nicht ein Buch mit einem Sandmännchen illustrieren möchte. "Oh, zum Sandmann habe ich ein gestörtes Verhältnis", kam mir so oder so ähnlich über die Lippen.
Ich habe vor etwa zwei Jahren schon einmal einen Sandmannauftrag abgelehnt. Ich könnte es noch so sehr beschönigen, Tatsache ist: ich kann den Sandmann nicht leiden. Für mich ist das ein gemeingefährlicher, zwilichtiger kleiner Mann, der nächtens durch fremde Zimmer schleicht und wehrlosen Kindern Sand in die Augen streut. Warum schreit da keiner Protest? Jedes Kind weiß vom täglichen Kampf auf dem Spielplatz, wie gemein Sand in den Augen brennt. Und wenn es dieser komische Onkel tut, soll es plötzlich in Ordnung sein??
Diese Details habe ich der Lektorin erspart. Sie schien dennoch etwas ratlos zu sein:

Sonst gäbe es da nur noch eine Elfengeschichte ...
"Elfe? Find ich prima!" sagte ich freudig.
Am anderen Ende blieb es still. "Trauen Sie mir keine Elfen zu??" hakte ich nach.
Doch doch, ich hätte nur gedacht, dass der Sandmann ganz gut zu Ihnen passt ...

Nein, den Sandmann muss jemand anders übernehmen. Elfen können immerhin ohne fremde Hilfe fliegen :-) Ein kleiner Zweifel ob eines Elfenbucherfolgs bleibt mir lediglich. Überall schwirren haufenweise Engel, Prinzessinen und Elfen in und auf Büchern herum. Hat es sich da bis zum Erscheinungstermin nicht schon längst ausgeelft?

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