Sonntag, 11. März 2007

Keine Illustration mit Lineal

Gerade war es wieder soweit. Bei der Verlagsanfrage zum Thema Fahrzeugillustration (Verkehrsschilder kommen auch vor) fühlte ich mich genötigt, den zukünftigen Kunden darauf hinzuweisen, dass ich kein Lineal verwende. Ob sie damit leben könnten?! Ja, das sei in Ordnung, wenn sichergestellt ist, dass die dargestellten Gegenstände eindeutig erkennbar seien.
Diese "linealfrei" Besonderheit gestaltet so manchen Auftrag etwas schwierig. Wenn es z.B. um das Thema Geometrie in Mathebüchern geht. Bisher hat es aber immer funktioniert. Etwas erstaunt bin ich dennoch immer wieder, wie widerspruchslos Verlage diese Bedingung hinnehemen. Halten sie das für einen Künstlerspleen?
Der wahre Grund ist folgender: Wenn ich Linien mit Lineal zeichne und sie nur etwas verrutschen, oder die Perspektive nicht hundertprozentig korrekt ist, dann sieht die ganze Illustration falsch und stümperhaft aus. Bei handgezogennen Linien akzeptiert der Betrachter viel eher kleine Ungenauigkeiten. Dieser Umstand macht einen enormen Unterschied im Arbeitsaufwand aus. Für mich. Es gibt Kollegen, die präzise Linealarbeit lieben.

Eine Kollegin treibt es noch weiter. Sie zeichnet genau wie ich für Kinder- und Jugendbücher, lehnt es aber ab, Kinder zu zeichnen. Um Kinder- oder überhaupt Menschenabbildungen gibt es erfahrungsgemäß die meisten Korrekturwünsche von Lektorenseite. Möglicherweise ist der Hintergrund ein ganz ähnlicher wie oben: Der Mensch hat im Gehirn ein spezielles Areal, das nur für die Gesichererkennung zuständig ist. Die Wahrnehmung von Proportion und Mimik ist also besonders differenziert, und kleinste Veränderungen der Größe oder der Abstände zwischen Mund, Augen, Nase und Augenbrauen können den Gesichtsausdruck gewaltig verändern.

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